Aufgeklärt Staunen mit Frajo (11) • Das Leben spielt eine unbemerkte Rolle im Leben • Franz Josef Wetz

»Das Leben spielt eine unbemerkte Rolle im Leben« – mit diesem scheinbar paradoxen Satz eröffnet der Philosoph Franz Josef Wetz seine Überlegungen über die Ursachen und Beweggründe unserer Handlungen.
Gemeinhin nehmen wir an, dass jede unserer Handlungen eine klare Begründung hat. Wenn blutige Verbrechen ohne erkennbares Motiv Schlagzeilen machen, sind Theologen, Sozialwissenschaftler und Psychologen rasch mit angeblichen Erklärungen bei der Hand. Bei genauerem Hinsehen jedoch erweisen sich diese als bloße Scheinbegründungen. Auch im Alltag handeln wir oft grundlos, allein auf Basis unseres Naturells.
Tatsächlich sind wir weniger rational, als wir gern wären. Für aufgeklärte Menschen kann diese Einsicht ein Impuls sein, liebgewonne Illusionen über die Ursprünge der eigenen Handlungen zu überwinden. So erscheint der Eingangssatz in einem neuen, erhellenden Licht.

01.09.2025|

Freigeist (78) • Karl Popper – Logik der Forschung • Hör-Kolumne von Helmut Fink

In dieser ersten von zwei Folgen seiner Hör-Kolumne widmet sich Helmut Fink dem Leben und Denken Karl Poppers (1902 – 1994), eines der einflussreichsten Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Poppers Wissenschaftstheorie, mit der er den kritischen Rationalismus begründete. Statt auf Verifikation wie der Wiener Kreis forderte Popper Falsifizierbarkeit als Abgrenzungskriterium von Aussagen in der Wissenschaft: Nur wenn eine Aussage grundsätzlich widerlegbar ist, kann sie Teil einer validen Theorie sein. Prägend für diese Position war Poppers Beobachtung des unterschiedlichen Umgangs mit empirischen Daten in der Psychoanalyse und der Physik. Während psychoanalytische Theorien gegen Widerlegung immunisiert wurden, ließen sich die Voraussagen von Einsteins Relativitätstheorie überprüfen – und bestätigen.
Weiter schildert Helmut Fink den politischen Werdegang des jungen Karl Popper und seine Abkehr vom Kommunismus nach einer prägenden Gewalterfahrung sowie seinen Werdegang vom Hauptschullehrer zum bedeutenden Philosophen und schließlich die Emigration nach Neuseeland vor dem Hintergrund des aufkommenden Antisemitismus im Österreich der 1930er Jahre. Im bald erscheinenden zweiten Teil geht es dann um Poppers politische Philosophie und sein Eintreten für die offene Gesellschaft.

02.06.2025|

Podcast-Gespräch • Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel • Augenhöhe (19): Interdisziplinäre Glücksforschung

Unter Glück verstehen wir ein Gefühl von subjektivem Wohlbefinden. Welche Faktoren dieses Empfinden beeinflussen und wie sich Glücklichsein auf den Einzelnen und die Gesellschaft auswirkt, sind zentrale Fragen der interdisziplinären Glücksforschung. Aus Perspektive der Volkswirtschaft befasst sich Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel von der TH Nürnberg mit diesem breit gefächerten Thema. So berät er beispielsweise Unternehmen und die Politik darin, wie sie die Erkenntnisse der interdisziplinären Glücksforschung umsetzen können. Über die Faktoren fürs Glücklichsein – Gesundheit, gelingende soziale Beziehungen, mentale Einstellung, Selbstbestimmung und Lebenssinn – und wie jeder von uns zum Glücklichsein beitragen kann, darüber unterhält sich Brigitte Winkelmann vom Kortizes-Team mit Karlheinz Ruckriegel in dieser Podcast-Folge.

Shownotes:

Literatur:

15.05.2025|

Freigeist 77 • Subjekt vs. Objekt – Der Mensch in der Physik • Hör-Kolumne von Helmut Fink

Die Kontroverse um das Verhältnis von beobachtendem Subjekt und beobachtetem Objekt zeigt sich auch in der Geschichte der Physik. In dieser Folge seiner Hörkolumne ordnet Helmut Fink bedeutende Stationen der Debatte ein, darunter die Diskussion zwischen Max Planck und Ernst Mach Anfang des letzten Jahrhunderts. Während der Philosoph Mach als Positivist Sinneswahrnehmungen als alleinige Quelle für Erkenntnis in der Wissenschaft ansah, vertrat der Physiker Planck einen wissenschaftlichen Realismus, nach dem die Außenwelt unabhängig vom Beobachter gestaltet ist.
Die Fortschritte in der Physik haben Planck Recht gegeben. Das gilt auch nach Etablierung der Quantentheorie, die im 20. Jahrhundert vieles in der Physik revolutioniert hat. Mitunter wird die Quantentheorie fälschlich so ausgelegt, dass der menschliche Beobachter die Messungen beeinflussen würde. Das würde dem Menschen wieder einen Platz in der theoretischen Physik einräumen und dem Fach den humanistischen Aspekt zurückgeben, heißt es dann. Wie Fink in seiner Hörkolumne zeigt, ist die Konsequenz aus den Erkenntnissen der theoretischen Physik jedoch eine andere – nämlich die Bestätigung für die Position des wissenschaftlichen Realismus, der davon ausgeht, dass eine Außenwelt unabhängig von uns existiert.

 

01.04.2025|

Podcast-Gespräch • Nico Büttner • Augenhöhe (11): politische Einstellung und Persönlichkeit

Welcher Zusammenhang besteht zwischen unseren Persönlichkeitsmerkmalen und unseren politischen Vorlieben? Lassen sich komplexe Charaktere wirklich anhand von nur fünf Merkmalen – der Big Five – abbilden? Kann man anhand unseres Persönlichkeitsprofils Unterschiede in der Bewertung von Migranten und Asylsuchenden ableiten? Darüber unterhielten sich Brigitte Winkelmann und Nico Büttner im Podcastgespräch. Nico Büttner ist Politikwissenschaftler und erforscht in Oxford im Rahmen seiner Doktorarbeit den Zusammenhang von Persönlichkeitseigenschaften und politischen Einstellungen.

Shownotes:
• Wer den Big Five-Test selbst machen möchte, findet ihn hier (in englischer Sprache)

15.09.2023|

Podcast-Gespräch • Pia Lamberty • True Facts – Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft

Der Glaube an Verschwörungserzählungen war bereits vor Corona weit verbreitet. So glaubte Studien zufolge im Jahr 2019 etwa ein Drittel der Bevölkerung, dass Politikerinnen und Politiker nur Marionetten von dahinter agierenden Mächten seien. Im Verlauf der Pandemie erreichte das Thema dann eine breite Öffentlichkeit. Warum Menschen an Verschwörungen glauben und welche Konsequenzen diese Ideologie mit sich bringt, darüber unterhält sich Brigitte Winkelmann mit der Psychologin und Autorin Pia Lamberty.

15.10.2021|

Podcast-Gespräch • Prof. Dr. John-Dylan Haynes – Fenster ins Gehirn: Wie unsere Gedanken entstehen und wie man sie lesen kann

Moderne Verfahren erlauben es heute, durch bildgebende Verfahren die Hirnaktivität sichtbar zu machen und bestimmte Aktivitätsmuster einzelnen Gedanken zuzuordnen. Kann man also bald unsere geheimsten Wünsche und Empfindungen auslesen oder sogar manipulieren? Werden neuartige Lügendetektoren bei der Überführung von Straftätern helfen? Und lässt sich das Bewusstsein eines Menschen über den Tod hinaus auf einer Festplatte speichern?

Die Fortschritte der Hirnforschung befeuern Zukunftsvisionen und Sorgen gleichermaßen. Mit beidem setzt sich der Psychologe und Hirnforscher John-Dylan Haynes von der Berliner Charité auseinander. Im Gespräch mit Helmut Fink gibt Haynes einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, diskutiert die Grenzen des Machbaren und warnt vor überzogenen Versprechungen.

15.07.2021|

Podcast-Gespräch • Sebastian Hermann • Gefühlte Wahrheit – Wie Emotionen unser Weltbild formen

Wir Menschen glauben gern, dass unsere Überzeugungen auf Fakten beruhen. Doch tatsächlich bestimmen unsere Gefühle, was wir für wahr halten. Das heißt, wir berücksichtigen diejenigen Informationen, die zu unseren Ansichten passen, und blenden aus, was dagegen spricht. Mit solchen »gefühlten Wahrheiten« hat sich der SZ-Redakteur und Sachbuchautor Sebastian Herrmann ausführlich auseinandergesetzt. Im Podcast-Gespräch mit Stephan Angene erläutert er, wie wir uns selbst vor Irrtümern und Denkfallen schützen können, und warum es sich lohnt, auch andere vom kritischen Denken zu überzeugen.

15.04.2021|

Podcast-Gespräch • Prof. Dr. Annekathrin Schacht • Jenseits der Ratio – Wie Motivation und Emotion unsere Wahrnehmung beeinflussen

Wenn wir emotionale Gesichtsausdrücke und emotional geladene Worte sehen, bewirkt das etwas in uns. Unter anderem ändert sich unsere Wahrnehmung anderer, neutraler Reize. Doch was genau passiert da und wie lässt sich diese Wirkung in der Forschung untersuchen? Dies ist das Fachgebiet von Prof. Dr. Annekathrin Schacht, die im Podcast-Gespräch mit Helmut Fink über Methoden und Erkenntnisse berichtet, sowie darüber, welche Ergebnisse dieses noch jungen Forschungszweiges sie besonders überrascht haben.

15.08.2020|

Podcast-Gespräch • Lydia Benecke • Psychopathinnen

Brynja Adam-Radmanic sprach mit Lydia Benecke über Geschlechtsunterschiede bei der Psychopathie und über Beneckes Buch »Psychopathinnen«. Dass es mehr männliche Psychopathen gibt als weibliche, gilt nicht mehr als so sicher wie früher. Denn Psychopathie äußert sich bei Frauen anders als bei Männern. Wie Benecke erklärt, unterscheiden sich weibliche Psychopathen in ihren Strategien, das zu bekommen, was sie wollen. Weil Psychopathinnen eher manipulativ und emotional grausam sind als gewalttätig, landen sie seltener im Gefängnis als ihre männlichen Gegenparts. Aktuell wird seitens der Forschung versucht, Definitionen und Psychopathie-Diagnostik diesen Erkenntnissen anzupassen, wie Benecke erläutert. Weiter wird aktuell erforscht, welche unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen in die jeweilige Psychopathie einfließen, und ob es überhaupt sinnvoll ist, Psychopath(inn)en zu therapieren.

15.11.2018|
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