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»Freigeist«
Freigeist (70) • Kant und die Evolutionäre Erkenntnistheorie • Hör-Kolumne von Helmut Fink
Vor 300 Jahren, 1724, wurde Immanuel Kant geboren, dessen Gedanken die Philosophie bis in die Gegenwart geprägt haben. Helmut Fink nimmt diesen Jahrestag zum Anlass für eine kritische Betrachtung von Kants Erkenntnistheorie.
In seiner Schrift »Kritik der reinen Vernunft« (1781) versuchte Kant nichts Geringeres, als die Rechtmäßigkeit des Erkenntnisanspruchs der reinen Vernunft zu erörtern – und zwar mit dem Mittel der Vernunft. Als Antwort auf den Streit zwischen Empirismus und Rationalismus entwickelte er die Transzendentalphilosophie. Nach Kants Ansicht bringt der Mensch die Bedingungen für Erkenntnis schon mit, sodass wir wahrgenommene Erscheinungen der Außenwelt überhaupt als Objekte erkennen können. Kant ging dabei vom Stand der Wissenschaft seiner Zeit aus und betrachtete die Newtonsche Physik als allgemeingültig. Doch im 20. Jahrhundert haben Relativitätstheorie und Quantentheorie gezeigt, dass die Newton‘sche Physik lediglich einen Sonderfall beschreibt. Im Lichte der modernen Physik erweist sich auch Kants Erkenntnistheorie als überholt. Gleichwohl bleibt die Frage bestehen, warum unsere Vorstellungen die Außenwelt meist korrekt repräsentieren. Wie Helmut Fink zeigt, bietet die Evolutionäre Erkenntnistheorie hier einen tragfähigen Ansatz zur Erklärung, der den Stand der modernen Wissenschaft berücksichtigt.
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Freigeist (69) • Kritischer Rationalismus • Helmut Fink im Gespräch mit Franz Josef Wetz
Ab dem kommenden Jahr veröffentlicht Kortizes zusätzlich zur Hörkolumne Freigeist ein zweites Audioformat mit säkular-humanistischem und philosophischem Schwerpunkt. Unter dem Titel »Frajo« wird Prof. Dr. Franz Josef Wetz dann im monatlichen Wechsel mit Helmut Finks Hörkolumne »Freigeist« zu hören sein. Wetz ist Professor für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd sowie Mitglied im Direktorium des Hans-Albert-Instituts und im Beirat der Giordano Bruno Stiftung.
Zur Einstimmung auf das neue Format sprach Helmut Fink mit Franz Josef Wetz über dessen philosophische Verortung, die durch den kritischen Rationalismus von Karl Popper und Hans Albert geprägt wurde, aber auch aus deren Kontroverse mit Vertretern der kritischen Theorie fruchtbare Impulse erhielt.
Als weiterer prägender Einfluss kommt die Evolutionäre Erkenntnistheorie zur Sprache, die unter Bezug auf die Evolutionsgeschichte des Menschen traditionelle Fragen der Philosophie im Licht moderner Naturwissenschaften betrachtet. Ferner erörtern die beiden Gesprächspartner den Entwurf eines »neuen«, säkularen Humanismus, der an die Stelle des »alten«, noch metaphysisch durchdrungenen Humanismus getreten ist. Beiden Ansätzen gemeinsam ist das Ziel, eine menschenfreundliche Lebenskultur zu entwickeln. Und schließlich kommt auch noch kurz das Thema Tod zur Sprache.
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Freigeist (68) • Emergenz und Reduktion • Hör-Kolumne von Helmut Fink
Die Wissenschaften unterscheiden sich durch ihre Komplexität: Die Physik formuliert Grundlagen für Chemie und Biologie, darauf bauen wiederum Psychologie und Soziologie auf. In welcher Beziehung stehen diese Komplexitätsebenen und was bedeutet dies für das Verhältnis der einzelnen Wissenschaften untereinander? Innerhalb der Wissenschaftsphilosophie sorgen diese Fragen immer wieder für Debatten. In der Vergangenheit versuchte man meist, das Komplexe durch Wechselwirkung der Teile zu erklären. Im Gegensatz zu diesem reduktionistischen Ansatz steht die Betonung der Emergenz, also der Beobachtung, dass auf höheren Ebenen neuartige Phänomene auftreten und Eigengesetzlichkeiten entstehen können. Beide Sichtweisen haben etwas für sich, so Helmut Fink. In seiner Hörkolumne stellt er zunächst einflussreiche Vertreter beider Positionen und ihre Argumentationen vor. Anschließend plädiert er für einen schwachen Reduktionismus, der mit einer schwachen Emergenz vereinbar ist. Das bedeutet, Reduktion dort zuzulassen, wo sie sinnvoll ist, und andererseits anzuerkennen, dass komplexe Phänomene Eigenschaften aufweisen, die den einzelnen Bestandteilen fehlen. Auf dieser Basis könne auch der Dialog zwischen den Vertretern so unterschiedlicher Wissenschaften wie Physik und Soziologie gelingen. Fink kommt zu dem Schluss, dass der naturwissenschaftliche und der kulturwissenschaftliche Zugang beide ihren Platz im naturalistischen Humanismus haben und das Potenzial besitzen, einander zu ergänzen.
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Freigeist (67) • Der Zentralrat der Konfessionsfreien • Helmut Fink im Gespräch mit Philipp Möller
Philipp Möller ist seit März 2022 Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, der sich als NGO für säkulare Politik in Deutschland einsetzt. Im Gespräch mit Helmut Fink blickt Möller zurück auf die Anfänge des Projektes und zieht eine erste Zwischenbilanz. Bis das Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität vollständig umgesetzt ist, seien freilich noch viele dicke, aber morsche Bretter zu bohren. Dazu zählen die Ersetzung des konfessionellen Religionsunterrichts durch Philosophie-Unterricht für alle, eine faire Ablösung der historischen Staatsleistungen an die Kirchen und die Abschaffung des staatlichen Kirchensteuereinzugs. Auch strategische Differenzen innerhalb des säkularen Spektrums, etwa bei KdöR-Status und humanistischer Lebenskunde, werden angesprochen.
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